Filialbank oder Direktbank

Filial- oder Direktbank? Beide haben Vor- und Nachteile
Berlin (dpa/tmn) - Die einen sind jederzeit per Internet erreichbar und kosten wenig, die anderen bieten mehr Service und haben an jeder Ecke Geldautomaten: Bis vor kurzem unterschieden sich Direkt- und Filialbanken noch deutlich. Doch die Unterschiede verschwimmen.
Bei Direktbanken fallen meist wegen des geringeren Personal- und Verwaltungsaufwands weniger Gebühren an. Anders als die klassischen Hausbanken haben Online-Banken allerdings nicht an jeder Ecke eine Filiale und einen Geldautomaten. Jetzt setzen aber auch die Filialbanken immer mehr auf den Online-Betrieb und bieten zunehmend gebührenfreie Konten an. Bei welcher Art Kreditinstitut die eigenen Geldgeschäfte am besten aufgehoben sind, ist daher immer schwerer zu entscheiden.
Laut Peter Lischke von der Verbraucherzentrale Berlin gewinnen Direktbanken seit geraumer Zeit Nutzer hinzu - vor allem bei den Jüngeren, denn sie haben keine Scheu vor Telefon- oder Online-Banking. Auf die Bankfiliale am Wohnort sind Online-Banker daher nicht unbedingt angewiesen. Laut dem Bundesverband deutscher Banken in Berlin ist jeder dritte Deutsche inzwischen Online-Banker. Mit 54 Prozent am stärksten vertreten sind die 30- bis 39-Jährigen. «Und die Wechselbereitschaft wächst», sagt Verbandssprecherin Tanja Beller.
Markus Schmidt, Finanzmarktexperte von der GfK-Gruppe in Nürnberg, ist der Ansicht, dass sich in Geldfragen vom dritten Lebensjahrzehnt an die Spreu vom Weizen trennt. Zum Einstieg wählen die meisten Deutschen nach wie vor eine Flächenbank. Mit dem ersten eigenen Einkommen entscheiden sie sich für eine neue Bank - sei es dann eine Direktbank oder nicht. Und sie lassen das alte Konto oft bestehen. «Mehrere Verbindungen sind inzwischen die Regel», sagt Schmidt. So hatte nach GfK-Angaben Ende der 90er Jahre noch jeder Haushalt durchschnittlich 1,8 Bankverbindungen, heute seien es 2,2.
Kundentypen im herkömmlichen Sinne gibt es nach Einschätzung von Schmidt nicht mehr. So lasse sich nicht mit Zuverlässigkeit sagen, dass der Risikofreudige oder Jüngere eher auf die Direktbank setzt, während der Ältere oder Sicherheitsorientierte eher zu einer Filialbank geht. «Die Kunden gehen zwar auch noch nach Preis oder Beratungsbedarf, aber sie handeln vor allem produktgetrieben.» Denn nur so lassen sich die Vorteile beider Formen individuell nutzen.
Denn ob Filial- oder Direktbank - nur eine Aufstellung der eigenen Bedürfnisse kann dabei helfen, zu einer Antwort zu gelangen. «Welches Angebot kommt meinen Bedürfnissen am nächsten?» - das ist laut Tanja Beller die Leitfrage bei der Bankenwahl. Und auch Peter Lischke hält es für unabdingbar, zunächst so konkret wie möglich herauszufinden, was man will - um dann zu vergleichen: Wer bietet was zu welchem Preis? Und zu welchen Konditionen?
Egal, für welche Bank sich der Kunde am Ende entscheidet, generell gelte: Erst Zeit in die Recherche investieren. Denn eine pauschale Antwort gibt es laut Lischke nicht: «Dazu sind die Produkte zu unterschiedlich.» Nach der Erfahrung des Verbraucherschützers bieten Direktbanken nicht nur eine breitere Produktpalette, sondern in vielen Fällen auch bessere Konditionen. Bei vielen gebe es beispielsweise gut verzinste Tagesgeldkonten. Zudem seien Investmentfonds dort oft zu wesentlich günstigeren Konditionen zu haben - etwa aufgrund eines verminderten Ausgabeaufschlags.
Der große Pluspunkt der Filialbanken ist dagegen die gute Erreichbarkeit durch das mehr oder weniger dichte Zweigstellennetz. So sind Volksbanken und Sparkassen auch im ländlichen Raum flächendeckend verbreitet. Dazu kommt die Möglichkeit, sich in der Filiale persönlich und individuell beraten zu lassen - das bevorzugen gerade ältere Menschen, sagt Lischke. «Bei einer Direktbank habe ich in der Regel nie einen Mitarbeiter an der Strippe.» Dort müssen Kunden sich mit dem Gedanken anfreunden, mit einem Computer zu kommunizieren.
Aber Kollege PC sei eben auch an keinerlei Öffnungszeiten gebunden und daher im Gegensatz zum Kundenberater immer bequem von zu Hause aus erreichbar. Ein weiteres wesentliches Unterscheidungsmerkmal der Banktypen ist die Versorgung mit Bargeld. Denn nicht jede Direktbank unterhält eigene Geldautomaten. Manche gehören zur Cash-Group führender Großbanken und geben ihren Kunden so die Möglichkeit, an Bares zu gelangen. Wieder andere - wie die Online-Abkömmlinge der Filialbanken - sind an deren Automatennetz angeschlossen.
«Die Banken bemühen sich, in der Konkurrenz zu bestehen», erklärt Verbraucherschützer Lischke diese Entwicklung. Das gilt auch für das kostenlose Girokonto, das es inzwischen nicht mehr nur bei Direktbanken, sondern auch bei immer mehr Filialbanken gibt. «Die Grenze verschwimmt ein bisschen», sagt Tanja Beller. Denn die Institute haben gemerkt: «Der Kunde ist preissensibler geworden.»
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